Die Welt der Kräuter für Meerschweinchen

Die Welt der Kräuter für Meerschweinchen

Futterpflanze und Heilkräuter. Für jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen.

Es gibt nur eine Heilkraft, und das ist die Natur

Arthur Schopenhauer

Früher hatte man einen engeren Zugang zur Natur. In vielen Familien wurden Pflanzen aus dem Wald oder den Wiesen gesucht, um sie zu verspeisen oder als Heilmittel zu verarbeiten. Das war auch in meiner Familie so üblich. Mein Onkel kannte sich sehr gut aus, er wusste, wo welches Kraut zu finden war und verwendete sie auch als Heilkräuter.

Leider führte er keine Aufzeichnungen, und mit seinem Tod ging das Wissen in der Familie auch verloren. Die Welt der Heilkräuter ist jetzt wieder ein aktuelles Thema. Und gerade für Meerschweinchenhalter, die täglich Wiese ad libum füttern, liegt es nahe, auch die helfende Kraft der Kräuter wiederzuentdecken.

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 1. Die Welt der Kräuter

Wer Kräuter selber suchen möchte, sollte sich vorher genau informieren. Es gibt von heilsamen Kräutern öfter gefährliche Doppelgänger. Im Zweifel gilt immer: Was nicht zu 100% als sicher bestimmt werden kann, darf niemals in das Gehege. Bei manchen Kräutern sollte man nur begrenzte Mengen geben.

1.1. Goldene Regeln

  1. „Im Zweifel bleibt es stehen!“ Wenn eine Pflanze nicht zu 100 % bestimmt werden kann, wandert sie niemals in den Futternapf.
  2. Keine kahlen Plätze abmähen: Niemals blind mit der Sense oder dem Rasenmäher Futter schneiden. Dabei übersieht man giftige Beikräuter sofort. Immer achtsam mit der Hand pflücken.
  3. Die Mischung macht’s nicht immer: Der Spruch „Die Menge macht das Gift“ stimmt zwar, aber bei Pflanzen wie Schierling oder Herbstzeitlose reicht schon ein einziges Blatt für ein Meerschweinchen aus.
Giacomo mit Kräuter
Bild: Lord Giacomo Sinclair Girnigoe mit Kräuter (Foto mit Vorlage vom Originalfoto mit KI erstellt)

2. Die Geheimnisse der Heilkräuter

2.1. Heilkräuter bei typischen Krankheiten

Diese Kräuter unterstützen den Heilungsprozess, ersetzen bei schweren Symptomen aber nicht den Tierarzt.

Bei Aufgasung & Blähungen: Dill, Fenchelkraut, Kamille und Kümmel (nur das Kraut) wirken krampflösend und entblähend.

Bilder 1-4 : Dill, Fenchelkraut, Kamille und Kümmelkraut

Bei Durchfall & Magen-Darm-Problemen: Schafgarbe, Brombeerblätter und Himbeerblätter (gerbstoffreich, stopfend) festigen den Kot.

Bilder 5-7: Schafgarbe, Brombeerblätter und Himbeerblätter

Bei Blasenentzündung & Blasengrieß: Birkenblätter, Brennnessel (nur getrocknet oder gut angewelkt) und Ackerschachtelhalm wirken harntreibend und spülen die Wege durch.

Bilder 8-10: Birkenblätter, Brennessel und Ackerschachtelhalm

Bei Atemwegserkrankungen & Schnupfen: Spitzwegerich, Thymian (in Kleinstmengen) und Huflattich lösen Schleim und beruhigen die Bronchien.

Bilder 11-13: Spitzwegerich, Thymian und Huflattich

Zur Appetitanregung (nach Krankheit): Löwenzahn, Basilikum und Sellerieblätter bringen die Verdauung wieder in Schwung.

Bilder 14-16: Löwenzahn, Basilikum und Sellerieblätter

2.2. Heilkräuter von A bis Z

Basilikum: Wirkt beruhigend auf den Magen-Darm-Trakt und hat eine leicht antibakterielle Wirkung.

BeifußBeifuß wirkt appetitanregend, verdauungsfördernd, wird zur Vorbeugung von Darmparasiten gefressen.

BorretschBoretsch wirkt beruhigend, entgiftend, entzündungshemmend, schleimlösend und schweisstreibend. Er sollte aber wegen enthaltener Bitterstoffe und geringer Mengen an Pyrrolizidinalkaloiden nur in kleinen Mengen gefüttert werden.

Dill: Fördert die Verdauung, wirkt entzündungshemmend und hilft gut gegen leichte Blähungen.

Bilder 17-20: Basilikum, Beifuß, Borretsch und Dill

EstragonEstragon wirkt verdauungsfördernd, harntreibend, wird zur Vorbeugung von Darmparasiten gefressen, gallenflussfördernd.

Giersch: Enthält viel Vitamin C, das Meerschweinchen täglich über das Futter aufnehmen müssen. Er liefert wichtige B-Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente.

Kamille: Bekannt für ihre beruhigende und entzündungshemmende Wirkung auf Magen und Darm.

Kapuzinerkresse: Kapuzinerkresse wird in kleinen Mengen gefressen und wirkt wie ein Antibiotikum gegen Bakterien, aber auch antiviral und gegen Hefepilze, schmerzlindernd, schleimlösend, wundheilungsfördernd, verdauungsfördernd. Ideal bei Schnupfen. Wegen der ätherischen Öle nur in Maßen anbieten.

Bilder 21-24: Estragon, Giersch, Kamille und Kapuzinerkresse

Kerbel: Kerbel wirkt appetitanregend, harntreibend, stoffwechselanregend, blutreinigend.

KorianderEr wirkt  appetitanregend, verdauungsfördernd und krampflösend und ist somit ein gutes Futter für die Verdauung.

KresseKresse wirkt milchfördernd, harntreibend, appetitanregend, verdauungsfördernd und blutreinigend.

Liebstöckel: Liebstöckel wirkt entwässernd und verdauungsfördernd. Sehr würzig und salzhaltig, bitte nicht regelmäßig füttern.

Bilder 25-28: Kerbel, Korianer, Kresse und Liebstöckel

Majoran: Majoran wirkt schleimlösend, appetitanregend und beruhigend.

Melisse (Zitronenmelisse): Melisse wirkt gegen Bakterien, Pilze und Viren. Wirkt stresslindernd, krampflösend, schmerzlinderndund wird von den meisten Tieren sehr gerne gefressen.

Oregano (Dost): Oregano wirkt antibakteriell, entzündungshemmend, schleimlösend, verdauungsfördernd, gegen Kokzidien und Würmer, krampflösend und appetitanregend. Wegen der ätherischen Öle nur in Maßen anbieten.

PetersiliePetersilie wirkt harntreibend, krampflösend, schleimlösend, appteitanregend, verdauungsfördernd und blutreinigend. Sehr reich an Vitamin C. Wegen des extrem hohen Kalziumgehalts jedoch nicht täglich in großen Mengen verfüttern (Gefahr von Blasengrieß).

Bilder 29-32: Majoran, Zitronenmelisse, Oregano und Petersilie

Pfefferminze Gut für die Verdauung und die Atemwege. Pfefferminze wirkt antibakteriell, beruhigend, entzündungswidrig,  appetitanregend, verdauungsfördernd, keimtötend, galletreibend, krampflösend und schmerzstillend. Es wird von vielen Meerschweinchen wegen des intensiven Geruchs oft gar nicht so gerne gefressen. Wenn es gemocht wird, kann es in kleinen Mengen (1-2 Blättchen ab und zu) gefüttert werden. 

RosmarinRosmarin wirkt appetitanregend, gallensafttreibend, harntreibend, verdauungsfördernd, entblähend, durchblutungssteigernd, wundheilungsfördernd und gegen Pilze. Es wird von vielen Meerschweinchen wegen des intensiven Geruchs oft gar nicht so gerne gefressen. Wenn es gemocht wird, kann es in kleinen Mengen (1-2 Blättchen ab und zu) gefüttert werden. Es ist super für Verdauung und Atemwege.

Giacomo auf Wiese
Bild: Lord Giacomo Sinclair Girnigoe auf einer Wiese (Foto mit Vorlage vom Originalfoto mit KI erstellt)

SalbeiSalbei wirkt astringierend, antibakteriell, keimtötend, verdauungsfördernd, blutstillend, appetitanregend, entzündungshemmend, harntreibend, krampflösend und schmerzlindernd. Es wird von vielen Meerschweinchen wegen des intensiven Geruchs oft gar nicht so gerne gefressen. Wenn es gemocht wird, kann es in kleinen Mengen (1-2 Blättchen ab und zu) gefüttert werden. Es ist super für Verdauung und Atemwege.

ThymianThymian wirkt krampflösend, schleimlösend, gallenflussfördernd, entzündungshemmend, verdauungsfördernd, gegen Kokzidien, antibakteriell, beruhigend, blutstillend, desinfizierend, pilztötend und schmerzstillend. Er ist ein fantastisches Heilkraut bei Atemwegserkrankungen. Ihn täglich zu füttern, ist wegen der extrem starken ätherischen Öle aber oft zu viel des Guten. Besser ist es, ihn gezielt bei leichtem Schnupfen oder als gelegentliche Bereicherung anzubieten.

Bilder 33-36: Pfefferminze, Rosmarin, Salbei und Thymian

3. Die richtige Dosierung von Heilkräutern

Meerschweinchen haben einen sehr empfindlichen Stopfmagen. Heilkräuter dürfen daher niemals unkontrolliert in großen Mengen gegeben werden.

Kleinstmengen als Faustregel: Reiche Heilkräuter im Krankheitsfall nur als Beilage. Ein bis zwei Zweige oder Blätter pro Tier und Tag sind für den Einstieg ausreichend.

Akut-Therapie begrenzen: Nutze Heilkräuter bei akuten Beschwerden (wie leichtem Matschkot) für maximal 7 bis 14 Tage am Stück.

Gegen Gewöhnungseffekte: Setze die Kräuter nach der Genesung ab. Bei dauerhafter Gabe verlieren die medizinischen Wirkstoffe ihre Wirkung im Ernstfall.

Trockenkräuter stark portionieren: Getrocknete Kräuter enthalten extrem viel Kalzium. Gib maximal einen Esslöffel pro Woche und Tier, um Blasensteine zu vermeiden. Zu viel Kalzium führt schnell zu Blasengries oder Blasensteinen.

Frisch vor Trocken: Biete Kräuter nach Möglichkeit immer frisch an. Sie enthalten mehr Vitamine und die wichtige Flüssigkeit für die Nieren.

3.1. Die tägliche Frischkräuter-Mischung:

Dill: Sehr gut verträglich und verhindert Blähungen.

Basilikum: Beruhigt den Magen und wird meistens geliebt.

Giersch: Liefert das lebenswichtige Vitamin C ganz natürlich.

Bilder 37-39: Dill, Basilikum und Giersch

3.2. Die wöchentliche Abwechslung

Füttere Kräuter niemals als Ersatz für Gemüse. Sie sind eine Ergänzung zu unbegrenzt Heu, Wasser, Gräsern und blättrigem Gemüse wie Bittersalaten oder Karottengrün. Mische alle paar Tage ein bis zwei Blätter von diesen Kräutern für die Gesundheit unter.

Kamille: Schützt den Magen-Darm-Trakt sanft vor Entzündungen.

Melisse: Wirkt entspannend auf den gesamten Körper.

Oregano: Hält den Darm frei von Parasiten (Kokzidien).

Bilder 40-42: Kamille, Melisse und Oregano

🔍 Kräuter vorbereiten und richtig lagern

1Die Vorbereitung

Der beste Zeitpunkt: Ernte die Kräuter an einem trockenen, sonnigen Vormittag. Dann ist der Tau abgetrocknet und das Aroma am intensivsten.

Nicht waschen: Wasche die Kräuter nach Möglichkeit nicht. Wasser verlängert die Trocknungszeit und fördert Schimmel. Schüttle Staub und Insekten einfach gründlich ab.

Aussortieren: Entferne welke, braune oder von Insekten zerfressene Blätter sofort.

2Methode 1: Lufttrocknen (Die schonendste Variante)

Diese Methode bewahrt die Vitamine und ätherischen Öle am besten.
  1. Bündel binden: Binde 5 bis 8 Stängel mit Küchengarn an den Enden locker zusammen.
  2. Aufhängen: Hänge die Bündel kopfüber auf.
  3. Der perfekte Ort: Der Raum muss trocken, gut durchlüftet und schattig sein (z. B. ein Dachboden oder ein luftiger Schuppen).
  4. Wichtig: Vermeide direktes Sonnenlicht. Die Sonne zerstört die Vitamine und bleicht die Kräuter aus.
  5. Dauer: Nach etwa 1 bis 2 Wochen sind die Kräuter fertig.

3Methode 2: Auf einem Gitter (Für Einzelblätter)

Ideal für Kräuter mit kurzen Stängeln oder einzelne Blätter wie Kapuzinerkresse und Giersch.
  1. Auslegen: Lege die Blätter nebeneinander auf ein sauberes Fliegengitter, ein sauberes Holzgitter oder auf Backpapier.
  2. Keine Stapel: Die Blätter dürfen sich nicht gegenseitig überlappen, da sie sonst faulen.
  3. Wenden: Drehe die Blätter alle zwei Tage einmal um.

4Der Raschel-Test: Wann sind sie fertig?

Die Kräuter sind erst dann komplett trocken, wenn sie beim Anfassen laut rascheln. Die Stängel müssen bei leichtem Druck sofort sauber durchbrechen. Lassen sie sich noch biegen, ist noch Restfeuchtigkeit enthalten und es droht Schimmel.

5Die richtige Lagerung

  • Ganze Kräuter lassen: Zerbrösele die Kräuter nicht. Ganze Blätter behalten ihr Aroma viel länger.
  • Behälter: Nutze dunkle Schraubgläser, Blechdosen oder Papiertüten. Plastiktüten sind ungeeignet, da sich darin Restfeuchtigkeit sammelt.
  • Lagerort: Lagere die Behälter absolut dunkel, kühl und trocken. So halten sich die Kräuter problemlos den ganzen Winter über.

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Autor

Marion Klüter
Marion ist Multimedia-Fachfrau. Sie unterhält zwei Blogs mit unterschiedlichen Schwerpunkten, da sich Wut und Kreativität nicht vertrugen. Gemeinsam mit Michael Klüter besucht und fotografiert sie leidenschaftlich Lost Places. Ihre Kreativität beschränkt sich nicht nur auf die Malerei, sie bastelt auch gerne. Ihre zweite Leidenschaft ist der Garten. Dort kann sie sich mit Hund und Verlobtem neben der Arbeit austoben.

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